Poxymedon

Trompete / Sopranposaune / Musikwissenschaft

Große und lange Gedichte

Die Altenpflegerin

Sie wurde auserkoren
fürs Heim, wo Greise wohnen.
Der Job wird sie nicht schonen
dank lesbischer Matronen,
die jene gleichfalls pflegen.

Sie muss sich stets aufregen:
nur schuften ohne Pause
bis abends, dann nach Hause,
und murrt: „Ich mach ne Sause,
bloß weg hier!“ So das Ziel.

Sie arbeitet zu viel,
macht abends völlig dicht,
hat schon mal Wechselschicht.
Man trifft sie draußen nicht.
Das ist sozialer Tod.

Der Preis für Lohn und Brot
ist hoch, denn so kann’s neben
der Arbeit ja nichts geben
wofür’s sich lohnt zu leben.
Was soll man dann mit Geld?

Wenn nur die Arbeitswelt
den Alltag ihr diktiert
und sonst auch nichts passiert
(falls nicht ein Greis krepiert),
ist Geld mehr Trost als Lohn.

Das Honorar ist Hohn.
Tagtäglich Arbeitsfrust.
Ekel nimmt ihr die Lust.
Hätt‘ sie das je gewusst…
Nicht mal ein Hobby blieb.

Hat sie denn keiner lieb?
Nein. Sie glaubt fest daran,
ein zukünftiger Mann
entdeckt sie irgendwann,
der wie für sie geboren.

Interpretation:

Das Gedicht hat gemäß einer 35-Stundenwoche – die für den Beruf der Altenpflegenden irreal ist, weil ständig Überstun den gemacht werden müssen und locker 50 und mehr Arbeitsstunden zustande kommen – 7 Strophen mit je 5 Versen. Da sich die jeweils letzte Zeile einer Strophe immer auf die nächste erste der folgenden reimt, findet eine Strophenverkettung statt, die wie ein Zeichen der Endlosigkeit sogar von der letzten Strophe zurück zur ersten funktioniert. Hiermit soll symbolisiert wer den, dass diese Art Leben mit diesem Beruf keinen Anfang und kein Ende hat. Theoretisch kann das Gedicht bei einer beliebigen Strophe begonnen werden und die beste Darstellung wäre kein flaches Blatt Papier, sondern ein Papierstreifen, der zu einem Ring zusammengeklebt wird, auf dem außen das Gedicht und innen die Überschrift steht. Die Inspiration dazu lieferte eine ehemalige Freundin, die Altenpflegerin ist und mir aus ihrem Arbeitsalltag regelmäßig Klagen vorgejammert hatte. Dieses Vorjammern wurde inhaltlich ins Gedicht übernommen.

Rückfrage an den Lektor

Sehr geehrter Herr Lektor,
dieLyrik ist doch Ihr Ressort?
Damit Sie drüber nachdenken,
wie wichtig mir die Lyrik ist
und mir möglichst Beachtung schenken,
reim ich diesen Brief als List.Ich muss Sie jetzt bitte mal stör’n
und würde zu jedem Gedicht
(denn darauf bin ich sehr erpicht)
ein kompetentes Urteil hör’n.Nach nunmehr ein paar Monaten
schreibe ich ganz verstohlen, denn
ich wage kaum danach zu fragen,
was ich Ihnen aufgetragen
habe, bitte durchzulesen.
Außer Spesen nix gewesen?

Damit Sie’s leichter wiederfinden:
auf die Zettel vorn und hinten –
also beidseitig bedruckt –
hatten Sie mal draufgekuckt?

Hatten Sie das gut gefunden?
Fände es auch Lesekunden?
Reim ich kindisch wie ein Knabe?
Habe ich da eine Gabe?
Lachen Sie sich tränend blind
wenn Sie mir auf den Versen sind?
Ist den Reimen anzusehen:
>>Mensch, der Junge hat Ideen!<<?
Wurd ein kleines Werk geschaffen?
Machte ich mich bloß zum Affen
und mich somit lächerlich?
Frage ich da besser nicht?
Kommt die Frage schon zu spät
trotz all der Kreativität?
Oder kommt sie gar zu früh
ob der Dichterliebe Müh?
Ist das Lyrik, Poesie,
laienhaft, was meinen Sie???

Oder liegt das jäh vergessen
unbeachtet unterdessen
bei den Akten im Büro?
Oder war es so beschissen
dass Sie es sofort zerrissen
und dann wegspülten im Klo?Denken Sie, Herr Lektor, nicht:
„Spielt doch alles keine Geige
wer da kommt, geht oder bleibt.
Ich tu hier nur meine Pflicht,
bei der ich mein Berufsbild zeige.“
wenn da auch nur ein Student
extra hin zum Lektor rennt,
weil er selber etwas schreibt!Es wäre wirklich jammerschade,
wenn nun wieder erst nach Wochen
kein Griff in eine Schublade
Klarheit schaffte, und nicht doch’n
Blick darauf geworfen würde.

Sonst wär das glatt eine Hürde
ohne Urteil neu zu schreiben,
was mir in die Sinne kommt.
Wollen wir nicht so verbleiben,
dass Sie’s lesen, und zwar prompt?

Freilich will ich Sie nicht hetzen.
Wenn Sie sich mal daran setzen,
würdigen Sie mein Bestreben.
Den Kontakt wiederbeleben
dauert keine Ewigkeit und
stiehlt Ihnen auch nicht die Zeit.

Ich schenke Ihnen mein Vertrau’n.
Sie werden mich ja nicht beklau’n
und mich auch nicht zum Star aufbau’n.
Ein herzliches „Auf Wiederschau’n“!

Dieses Gedicht ist eine Bearbeitung eines anderen. Beide sind real abgeschickt worden, um bei den Adressaten nachzufragen, was aus meinen Probeexemplaren geworden ist, die ich jenen Leuten überlassen hatte. Entstanden war das Originalgedicht 2007.

Sterben verboten!

Es gibt kein Recht auf den eigenen Tod,
der Staat verordnet, dass ich lebe.
Wenn ich auch alles dafür gäbe,
was tu ich bloß in meiner Not?Aus dem Hochhaus springen?
Von der Brücke fallen?
Das kann auch misslingen
und ist nicht von allen
die beste Weise
für die letzte Reise.Ich habe kein Recht auf meinen letzten Willen.
Was mir nicht schnell genug von selbst passiert,
wird vom Staat auf gar keinen Fall lizenziert:
zum Beispiel auf Rezept eine Überdosis Pillen.Warum will er nicht, dass ich freiwillig sterbe?
Das ist immer noch katholisches Kirchenerbe,
in tief verwurzelter Tradition.
Aber leiden lassen statt sterben ist Hohn,
denn wer sich selbst erlöset von seinen Qualen,
kann als Toter der Kirche nichts mehr zahlen.
Die Religion schüchtert alle psychisch ein,
selbst Todkranke, Unheilbare, das arme Schwein.Weniger Skrupel hat da der Islam.
Der Radikale geht einfach zu seinem Imam.
Dieser heiligt die Mittel (sieht jener rot)
und der Fundi wählt frei den Märtyrertod.Warum hat der Staat damit ein Problem,
wenn ich sowieso an keinen Gott glaube
und jemandem schriftlich meine Tötung erlaube?
Die Antwort ist pietätlos und unbequem:Seit der politischen Trennung von Kirche und Staat
weiß jener, wie ihm mein Leben nützt,
und sei es auch nur als Soldat.
Er nahm die Rolle der Ersatzkirche an,
bekämpft Freitodgedanken, wo er nur kann
oder so genannte „Tötung auf Verlangen“,
denn er muss ja um jegliche Einnahmen bangen,
weil ein Toter nicht mehr den Geldkreislauf stützt.

Ein Beispiel sei dafür vergleichend genannt,
wie aus den Medien als Kontroverse bekannt:
Geht es mir dereinst auch noch so schlecht,
im Koma, an Kabeln und Schläuchen im Bett,
habe ich auf verfügtes Sterben kein Recht.
Zu viele Interessengruppen verdienen daran fett.

Der Intensivmedizin und Pharmaindustrie,
Pflegeheimen und Ärzten – jenen stets treu verbunden –
nimmt der Staat den Stammgast und Kunden
nicht weg. Nur deshalb erlaubt er Sterbehilfe nie,
weder kommerziell, noch privat.
Man nimmt lieber hin, dass ich über Jahre
verreck. Was ist nun von beidem die schlimmere Tat?

Wenn ein Mensch freiwillig dürstet und hungert
um zum letzten Male einzuschlafen –
gemeint ist hier nicht Hungerstreik –
deklariert der Staat sogar das als verkehrt.
Mittels gut strukturierter Gesetzesgewalt
als nebulösem Wirtschaftszweig
wird jedes Krankenhaus zur Justizvollzugsanstalt.Erst wird am Bett drohend rumgelungert,
man quatscht auf ihn ein mit böser Zung‘.
Doch egal, ob und wie sich dieser Mensch wehrt,
wird er dann eben einfach zwangsernährt,
um seinen Ungehorsam zu bestrafen,
und zwar mit der Entmündigung!Hältst du dich nur noch für’n nutzlosen Fresser,
welcher der Welt nichts (mehr) hinterlässt,
weiß der Staat es trotzdem besser,
wenn er dich zwanghaft am Leben lässt.
Das ist Menschenverachtung, die zum Himmel stinkt,
weil es wieder nur darum geht, dass die Kasse klingt!Es müssen gar nicht solch Extremfälle sein.
Mir fällt noch ein simpleres Beispiel ein.
Stell dir vor, du sitzt lebenslänglich im Knast,
dein Leben ist völlig verwirkt, das du noch hast.
Dein Verbrechen ist nie wieder gut zu machen,
über mögliche Reue könnten Opfer bloß lachen.Für den Staat wär es billiger, du würd’st dich erstechen,
aber dann könnt‘ sich niemand mehr an dir rächen,
bliebest du drin oder kämest du raus.
Als politisch Gefangene(r) erster Wahl
bist du für das Regime Freikaufkapital.
So sieht nämlich die Wahrheit aus!Es gäbe immer irgendwelche Leute
die dir auf Wunsch den Gnadenschuss gäben,
versichertest du: du wollest nicht mehr leben
und nur noch sterben, lieber gestern als heute.Es ist mein Leben, egal ob krank oder gesund
und ich allein will über Zeitpunkt und Grund
entscheiden, ohne Psychoterror von Kirche und Staat
(da beides durch mich Einnahmen wie Unkosten hat)
durch würdiges Sterben aus dem Leben zu scheiden.Nenn es Freitod, Suizid oder Selbstmord, egal –
was Ärzte schon fordern muss Grundrecht werden:
legales Helfen beim selbstbestimmten Sterben!
Dann wären sie aus der juristischen Grauzone raus,
du verließest Hospiz oder Krankenhaus
oder Altenpflegeheim ohne weitere Qual.Der atheistisch-philosophische Druck wächst stetig.
Das beste ist eine religionsfreie Ethik,
denn selbstbestimmend darf derzeit niemand zu den Toten.
Der Staat meint gesetzlich: sterben verboten!

Sucht Detuschland wirklich den Superstar?

Man schickt ihn als D-Prommi auf Autogrammtour.
Der Knirps, dem spätestens in einem Jahr
niemand mehr in die Autogrammstunde rennt,
beherrscht kein einziges Musikinstrument!
Worin besteht eigentlich sein „Talent“?
Und so jemand ist ein „Superstar“???
Dabei macht er vielleicht erst noch Abitur.Er verdient nur einen Bruchteil dessen,
was er an Investitionen und Spesen
kostet. Bald wird er vergessen
sein und kann noch nicht einmal Noten lesen.Ok, das braucht man für ne Rockerkarriere,
wo jeder dieser Naivlinge gerne wäre
nachweislich zum musizieren ja auch nicht.
Doch das einzige, was so’n Typ zu bieten hat
– und nur dazu reicht es bei ihm noch grad –
ist Jugend und ein hübsches Gesicht.Pubertierende Mädchen stellen sich dann
für ein dämliches Autogramm
stunden- und kilometerlang
massenweise in der Schlange an,
und wollen hungrig ewig stehen,
bloß um diese Wurst zu sehen!
Am Ende kommt dabei nur raus:
>>Ich find‘ den süß, der sieht toll aus!<<Er taugt nur als Mädchenschwarm,
macht Minderjährige finanziell arm
sowie emotional mitten in der Pubertät.
Kaum fängt diese erst mal mit 10 Jahren an,
denken die Medels schon an ihren ersten Mann!?
Dann ist es für geistige Reifung zu spät.Ausgepresst wie ne Zitrone,
wie ein Autowrack ausgeschlachtet
von geistig Reifen verlacht und verachtet,
wird aus dem Typen nie eine Ikone,
denn ist das Image nicht mehr frisch,
landen die CDs auf dem Grabbeltisch.Die Castingshows tragen die größte Schuld.
Mit Musikmachen hat das nichts zu tun,
es geht um den Personenkult.
So wird aus dem naiven Küken
ein eitler Hahn, ein dummes Huhn.
In maximal kurzer Zeit ohne Lücken
Geld rauszuschlagen aus dem Geschäft,
bei dem jeder Doofmann ins Mikro kläfft,
bedeutet: maximalen Reingewinn.Doch immer wieder hält jemand seinen Kopf dafür hin,
hoffnungstrunken, naiv und betriebsblind;
nicht als Erwachsener, sondern noch als Kind.
Im gleichen Alter sind auch die „Fans“:
selber alle noch dumme Pänz.*Als 2009 Michael Jackson verstarb,
baute man ihm im Kaufhaus einen Altar,
von dem man CDs, Bücher und anderes erwarb,
denn er war ja tatsächlich ein Superstar.Alle wissen das, nur nicht DER,
DER interessiert in Kürze keinen mehr!
Der Grips ist völlig ausgeblendet,
solange man ihn in der Show verwendet.
Keiner kehrt je wieder auf die Bühne zuröck.
Nein, auch nicht Daniel Küblböck!
Musik besteht nicht nur aus schlechtem Gesang,
aus eitlen Fressen
und einem sexy Gang.
Man kann sie nicht messen,
schon gar nicht so schnell.
Jaaaa, beurteilen schon –
aber doch nicht bei RTL
im Fernsehen mittels Telefon!Drahtzieher und Juryboss Dieter Bohlen –
berüchtigt für jedes derbe Verdikt –
lässt niemanden der KandidatInnen heil,
macht nur das Maul auf, um sie zu verkohlen
und hat vom Casting bis zum Finale
alle respektlos rausgefickt.
Die hirnlosen Zuschauer finden’s noch geil!Wer hat denn schon Ahnung davon, was es heißt:
– vielleicht E-Bass zu üben, bis ne Saite reißt?
– welche Mühe wirklich dahinter steht
wenn ein Kind jahrelang zur Musikschule geht,
und dort Instrumentalunterricht nimmt?
– zu lernen, wie man sein Cello stimmt?
– ein Lob zu kriegen für den richtigen Ton?
– nicht verspottet zu werden mit arrogantem Hohn?
– sich dem Urteil der Lehrkräfte auszusetzen,
die kompetent – und nicht zynisch – einschätzen,
dass man beim Üben nicht den Körper versteift
und nach Jahren vielleicht Spielqualität reift?Die Eltern der Teenies sind die wahren Versager
in der Erziehung, hören nur Schlager
und scheitern, ihre Töchter zu bewahren
vor den Devotionalien, für die sie ihr Taschengeld sparen,
vor den Medien und Bravo, die sie verblöden nach Jahren,
vor dem Pilgern zum „Super“star in großen Scharen
und dem rein inszenierten „Künstler“gebaren.Eltern von Teenies als Teilnehmer der Show –
das ist für musisch Gebildete ein absolutes No-Go –
Eltern von Teenies im Publikum –
ganz egal, alle verkauft man für dumm.
Vermittelt wird dabei, es gäbe ausschließlich Pop,
nicht Reggae, Hardcore, Metal, Rock…
Zuletzt heißt es für alle „ex und hop“.Die Eltern scheinen nicht zu begreifen,
wes Geistes Kind
ihre Sprösslinge sind
und SIE die Verantwortung dafür tragen,
dass euphorische Mädchen, Gören und Blagen,
bevor diese an Bildung und geistig reifen,
im Gerangel in Ohnmacht fallen und kreischen,
für eine dusselige Unterschrift,
wenn man sich hier am Fan-Tisch trifft
bloß um vom Pseudo-Idol einen Blick zu erheischen.Autogramme, die bekam ich von meinen Stars auch,
aber deren Karriere steht ja nicht auf’m Schlauch.
Sie wurde in vielen Jahren aufgebaut.
Dafür wurde kein einziger Song geklaut,
sondern jeder von Bandmitgliedern komponiert,
nicht vom Manager oder Ghostwriter präpariert
und nicht vom Despoten Bohlen arrangiert.
Nur hat DAS kein „Superstar“ je kapiert.* Kölscher Dialekt für „Kinder“

Zu diesem Gedicht, das ich aus Fassungslosigkeit nach einer Autogrammstunde so eines „Superstars“ im Kaufhaus „Saturn“ schrieb, gibt es einen Kommentar (in Prosa).