Poxymedon

Trompete / Sopranposaune / Musikwissenschaft

4-ventiliges Flügelhorn

Ein Flügelhorn mit 4 Ventilen ist eine Spezialkonstruktion, mindestens 14 Firmen haben jemals eines produziert (inaktiver Name) oder produzieren aktuell welche (aktiver Name). Dafür gibt es also definitiv einen Markt und Kundenkreis. Es wird entweder als fabrikmäßiges Serieninstrument hergestellt (z.B. von Adams, Getzen, Blessing, Amrein, Courtois, B&S,  Kanstul, seit neustem auch Stomvi (Musikmesse 2016)) oder auf Kundenwunsch gebaut (Thein, Kromat, Bernd Schramm, Matthias Beck, Jestädt und jede weitere Meisterwerkstatt). Das vierte Ventil ist immer ein Quartventil und ermöglicht nicht nur neue Alternativen für alle möglichen traditionellen Griffe, sondern feinste Mikrotöne (bis zu 7 innerhalb einer kleinen Sekunde!) und vor allem das Spielen im tiefsten Register unterhalb des Tonumfangs einer Trompete. Die niederländische Firma Vanlaar baut als einzige serienmäßig in ein Flügelhorn kein Quartventil, sondern ein Vierteltonventil ein. Damit verbunden sind natürlich alle Nachteile, die jedes dreiventilige Flügelhorn gegenüber einem vierventiligen auch hat. Beides ließe sich nur mit 5 Ventilen erreichen… Jedenfalls ist es mit so einem Instrument möglich, exakte Vierteltöne zu spielen – soweit das akustisch überhaupt in allen Registern möglich ist.

Ich empfehle jedem Profi grundsätzlich die Anschaffung eines vierventiligen anstelle eines dreiventiligen Flügelhorns aus Gründen, die in den unten abrufbaren Textdateien genau beschrieben werden, wo es weitere grundlegende Informationen dazu gibt. Sähe eine Trompetenfirma keinen Bedarf an solchen Instrumenten, würden sie sie nicht so zahlreich herstellen. Die Zielgruppe sind eindeutig Profimusiker und professionell orientierte Kunden, weil jedes Flügelhorn zwischen 2800 bis 3300,-€ und noch mehr kostet, was sich kein Neuling, Einsteiger und Hobbymusiker/Amateur leistet. Es gibt für vierventilige Flügelhörner keinen Billigsektor wie bei Trompeten, die unter 1000,-€ zu bekommen sind.

Mein vierventiliges Blessing-Flügelhorn ist aus der damaligen Serie namens Artist, hat die Typenbezeichnung ELK HART-IND. U.S.A. und die Seriennummer 467612  Es hat keinerlei Trimmer- oder Triggersysteme.

mein Flügelhorn von rechts

Besonderheiten einzelner Instrumente

Alle Firmen bis auf Kromat und Matthias Beck bauen ausschließlich Pumpventile ein. Erstere Firma hat nur das vierte Ventil als Drehventil eingebaut, während bei letzterer Firma alle Ventile Drehventile sind. Ferner sind die Firmen Thein und Matthias Beck die einzigen Firmen, deren Konstruktion gar nichts anderes zulässt, als alle 4 Ventile ausschließlich mit der rechten Hand zu spielen, so dass die linke nie alternativ das vierte greifen kann. Beim Kromat-Flügelhron kann wiederum das vierte Ventil nur mit der linken Hand gespielt werden. Die Firma Matthias Beck hat ihr dreiventiliges Flügelhorn so konstruiert, dass der Hauptstimmbogen ausgewechselt und mit einem „Nachrüstbausatz“ (ca. 1100,-€) das Flügelhorn jederzeit später um das vierte Ventil erweitert werden kann.

Üblich ist für den kleinen Finger der rechten Hand ein Haltehaken, der bei Flügelhörnern auf dem Schallbecher aufgelötet wird. Manche vierventiligen Flügelhörner haben aus gutem Grund diesen gar nicht erst montiert, um den kleinen Finger für das vierte Ventil frei zu haben, manche Hersteller haben ihn hinter dem vierten Ventil verbaut, um die Wahl zu haben, ob man den kleinen Finger zum Festhalten oder zum Ventilspielen nimmt und wiederum manche Hersteller haben den Haltehaken direkt neben dem vierten Ventil angelötet, so dass ausgeschlossen ist, jenes mit der rechten Hand zu spielen. Da ich empfehle, das vierte Ventil prinzipiell ohnehin mit der linken Hand zu spielen, ist die letztere Variante keine Fehlkonstruktion, sondern Kalkül. Es ist spieltechnisch wärmstens zu empfehlen, Haltedruck von beiden Händen auszuüben, um das Instrument stabil zu halten. Auch deshalb sollte der kleine Finger der rechten Hand zum Festhalten weiterhin verwendet werden können und nicht zum Ventilspielen.

Stomvi und der Tritonusbogen

Auf der Musikmesse 2016 präsentierte die spanische Firma Stomvi unglaublich innovative Neuentwicklungen: die Serie Titán – four valve Edition! Es wird nicht nur ein Flügelhorn mit 4 Ventilen angeboten, sondern auch noch eine B-Trompete (!), eine C-Trompete (!) und die D/Es Doppeltrompete (!). Das Flügelhorn hat zudem zwei Intervallbögen zum Auswechseln. Das Endstück am Quartventil lässt sich entfernen und wahlweise auf Tritonus wechseln, weil der Zusatzbogen beim Kauf gleich mitgeliefert wird. Mit dieser neuen Serie ist das bisherige Maximum der Erweiterbarkeit an Ventilen und Rohrlängen für Trompeten und Flügelhörner erreicht. Eine neue Grifftabelle mit diesem Tritonusventil an vierter Stelle eines Flügelhorns habe ich ebenso experimentell erspielt und hier veröffentlicht! Somit sind mit den Trompeten aus dieser Serie alle Griffe aus der unten als Sprungmarke verzweigenden aktualisierten Grifftabelle chromatisch spielbar, bis runter in die zweite Hälfte der oberen Bassoktave vor dem ersten Naturton (beim Flügelhorn). Man gewinnt also mit diesen Instrumenten die selben Vorzüge, die ein vierventiliges Flügelhorn schon hat. Die tiefste Bassoktave ist wegen der eng gebauten Trompetenkonstruktion freilich trotzdem nicht spielbar. Das steht hier für eine Trompete aber gar nicht zur Frage.

Tritonuserweiterung

Ich besitze ein vierventiliges Flügelhorn der Marke Blessing, das ich bautechnisch modifiziert habe: ich habe mir Aufsteckröhren für das Quartventil bauen lassen, die jenes zum Tritonus bzw. auch zur Quinte verlängern, um im chromatischen Grenzbereich direkt oberhalb der ersten Oktave überhaupt präzise Töne spielen zu können. Wer bereits ein vierventiliges Flügelhorn besitzt, möge sich von mir dringend überzeugen lassen, sich ebenfalls zusätzliche Rohrstücke anfertigen zu lassen, mit denen das Quartventil zum Tritonus verlängert werden kann. Das ist sehr billig, wenn man sich keinen Rohrbogen, sondern zwei einzelne gerade Zusatzröhren bauen lässt, die man als Zwischenstücke in die Quartröhre einfügen kann (am Ende oder mitten drin).

Flh Rohrstücke

Ins Instrument eingebaut sieht das so aus:

4tes Ventil Detail erste Verlängerung

Mit nur einer einzigen Verlängerung ist ein Tritonus in bauchbarer Qualität entweder mit der kürzeren oder längeren Rohrvariante spielbar. Das wirkt sich auf die Intonation sämtlicher Töne aus, die mit dem vierten Ventil gespielt werden. Werden beide Rohrstücke gleichzeitig eingebaut, wird aus dem Quartventil ein Quintventil:

4tes Ventil Detail beide Verlängerungen

Die Verlängerungen sind nicht nur beliebig kombinierbar und reversibel, rutschen nicht raus, können vorintoniert und gefettet leicht entfernt werden. Je nach Konstruktionsweise des Flügelhorns wird die Werkstatt die passende Lösung finden. Das hatte ich nämlich wegen der Probleme vor dem ersten Naturton vor der Musikmesse schon in Auftrag gegeben und stellte dann perplex fest, dass die Firma Stomvi unabhängig von mir selber schon auf diese Idee gekommen ist! Das Tritonusventil könnte das Quartventil langfristig überflüssig machen. Dazu fehlt derzeit aber jegliche Spielpraxis, um das zu bewerten. Meine eigene Spielerfahrung bestätigt: wozu noch ein Quartventil verwenden, wenn das Tritonusventil dieses nicht nur schon in sich trägt, sondern darüber hinaus auch noch weitere Vorteile bietet, die das Quartventil gar nicht zulässt? Der entscheidende chromatische Halbton vor dem ersten Naturton im Flügelhorn ist nur mit diesem Tritonusventil spielbar, zusätzlich noch die Oktave darunter. Beides ist nur mit dem Quartventil unmöglich und es gibt keinerlei Einschränkungen, die man mit dem Tritonusbogen in Kauf nehmen muss, welche nur mit dem Quartventil spielbar sind.

Wer spielt ein vierventiliges Flügelhorn?

Ich kenne bislang 5 Trompeter. Wer selbst ein vierventiliges Flügelhorn spielt oder KünstlerInnen damit kennt, möge sich bei mir melden, damit ich hier auf ihn oder sie hinweisen kann. Eine Sprungmarke auf ein Foto, auf dem dieses Instrument zu sehen ist, möge mir genannt werden. Der prominenteste Spieler eines solchen Instruments ist der Russe Sergej (Michailowitsch) Nakarjakov, drei deutsche sind Stephan Meinberg, Matthias Höfs sowie Matthias Schriefl. Zwei mexikanische Trompeter sind Geo Del Valle (lebt derzeit (2021) in Köln und hat diesen YouTube-Kanal) und Pacho Flores. Pacho Flores ist so genannter „Endorser“ der Firma Stomvi, spielt also nur deren Instrumente und berät sie bei deren Weiterentwicklung, weshalb auch seine B- und C-Trompeten sowie sein Cornu da caccia 4 Ventile haben (s.o.). Geo Del Valle spielt auch das Stomvi-Flügelhorn mit vier ventilen. Sergej Nakarjakov ist wiederum Endorser der Firma Courtois aus Frankreich, wo er lebt. Endorsement ist für Klassiker sehr ungewöhnlich.

Elementare Texte mit Grundlagen

Die Elementarinformationen enthalten alles, was an Vorinformationen zu diesem Instrument wichtig ist, wie es im ganzen Internet keine zweite Quelle gibt für alle, die so ein Instrument noch nie gesehen haben und wissen wollen, wofür das vierte Ventil da ist. Für das vierventilige Flügelhorn gibt es eine aktualisierte Grifftabelle ohne Erklärungstext, die selbstverständlich nach B transponierend ist. Die Erklärungen zur Grifftabelle (mit der selben transponierenden Grifftabelle) zeigen, wie sie zustande gekommen ist. Dieser Text erklärt sehr präzise die Tonauswahl und die Notation der Mikrotöne über den gesamten Tonumfang des Instruments. Diese Tabelle habe ich mit vierventiligen Piccolotrompeten ausprobiert – es ergibt sich exakt die selbe Tonstruktur. Deshalb ist sie, ausgenommen das Bassregister, grifftechnisch analog dazu identisch für eben solche Piccolotrompeten verwendbar und nur der absolute Tonumfang muss eine Oktave höher transponiert gedacht werden, während die Griffe alle die selben bleiben!

Es gibt zum vierventiligen Flügelhorn eine inzwischen veraltete Grifftabelle, die in diesem Fachartikel der Zeitschrift Sonic noch die Grundlage war und ebenfalls von mir stammt. Die aktualisierte Grifftabelle ist um alle Trompetengriffe und diejenigen bereinigt, die nur mit einem einzigen Bautyp spielbar sind, nämlich demjenigen von B & S aus der Challenger-Serie. Jenes Instrument wird seit 2007 nicht mehr produziert. Bei seiner Bauform war es möglich, ein Zwischenstück im Quartventilrohr herauszunehmen und eine große Terz zu erzeugen. Wer das wünscht, muss sich nachträglich für das eigene Quartventil ein Rohrstück anfertigen lassen, das auf die Muffen des Quartventils passt, dann wäre auch jene Grifftabelle wieder voll nutzbar.

Schließlich gibt es noch ein Dokumentationsbuch namens „Das Flügelhorn“ der Autoren Ralph T. Dudgeon & Franz X. Streitwieser, das viele Fotos und historische Erklärungen enthält. Das gibt es bei Amazon oder aus der Fernleihe einer Bibliothek, wenn es die eigene nicht hat.

Originalkompositionen für normales (dreiventiliges) Flügelhorn

Das reguläre, dreiventilige Flügelhorn hat eine seltsame Musikgeschichte und wird heute vorrangig im Jazz gespielt, dort vereinzelt in Bigbandnoten verlangt, aber ebenso von Solisten als Hauptinstrument gespielt (z.B. Clark Terry oder Kenny Wheeler). Außerhalb des Jazz ist es quasi unbekannt, d.h. für Klassische Konzertmusik, Punkrock / Ska, Reggae, Funk / Soul oder Popmusik (die Klangdatei dieses Solos ist bei meinen Transkriptionen zu hören), weil es so gut wie keine Originalkompositionen dafür gibt, sei es Kammermusik (z.B. im Blechquintett als Wechselinstrument für Trompeter), Ensemble oder Sinfonieorchester. Ausnahmen für Kenner sind von Gustav Mahler die 3. Sinfonie, wo es nur im dritten von sechs Sätzen eine eigene Partie bekommt, oder von Ralph Vaughan-Williams die 9. Sinfonie, wo es in allen Sätzen vorkommt. In Solokonzerten für Trompete wird es abschnittsweise von Mark-Anthony Turnage  sowie von Tobias Boström verlangt.

In Brassbands nach britischem Vorbild wird genau ein Flügelhorn gebraucht. Freilich wird es Flügelhornnoten für Militärkapellen, Marchingbands und ähnliche Besetzungen geben, aber dort wurde das Flügelhorn ja sowieso immer schon rekrutiert. Wer Originalkompositionen für Flügelhorn kennt, möge mich bitte informieren, weil ich langfristig eine Werkliste zusammenstellen könnte.

Flügelhornschule für 4-ventilige Instrumente

Ich habe mir akribische musikwissenschaftliche Arbeit mit zwei Spezialinstrumenten gemacht, um ihre Spieltechniken auszukosten und fachlich beschreiben zu können. Eines davon ist die Sopranposaune mit Quartventil, das andere das vierventilige Flügelhorn. Für beide Instrumente gibt es keine Lehrwerke, keine Grifftabellen, keine theoretischen Texte, das heißt solche, die nicht musikgeschichtlich fokussiert  sind, sondern spielpraktisch. Es gibt also keine schriftlich festgehaltenen Spielerfahrungen oder gar eine Spieltradition, was bei der Exotik dieser Instrumente nicht verwundert. Deshalb stelle ich meine eigenen Forschungsergebnisse auszugsweise hier zur allgemeinen Verbreitung zur Verfügung. Das reicht aber nicht. Ich schrieb eine Flügelhornschule speziell für solche vierventiligen Instrumente, weil es nicht damit getan ist, einfach nur eine aufwändige Grifftabelle zu erstellen. Der Umgang mit dem vierten Ventil muss separat geübt werden. Es gibt noch keine Etüden und keine Kompositionen dafür. Niemand außer mir kennt sich mit dem Nutzen des vierten Ventils in diesem maximalen Umfang aus. Meine eigenen Informationen sind ein Anfang dazu.

Die erste Flügelhornschule der Welt

Von Ende 2015 bis 2020 arbeitete ich an der weltweit ersten Flügelhornschule und schrieb tabellarische, technische Übungen, so genannte Grifftabellenwellen, von denen hier Probeseiten zu finden sind wie auch unten eine einzelne. Ziel ist, jeden rechnerisch möglichen Griff (es gibt 16 verschiedene) gleichmäßig in Spielübungen zu integrieren und das Ohr genauso an die ungewöhnlichen Mikrotöne und Intervalle zu gewöhnen wie die Hände und das Auge ans Notenbild. Die Einführungstexte sind dazu fertig und bereits in drei Sprachen übersetzt worden (französisch, englisch, spanisch). Japanisch ist gerade in Arbeit und in Planung ist Niederländisch und Russisch. Die für die Druckversion geschriebenen Texte enthalten noch mehr als alles, was auf dieser Webseite schon erklärt wird. Die Zielgruppe dieser Flügelhornschule sind professionelle Trompeter, weil sich keine Anfänger ein Flügelhorn kaufen, schon gar keines mit 4 Ventilen. Mit der Schule soll nicht nur der Mangel an einer solchen beseitigt werden, sondern das vierventilige Flügelhorn auch populärer werden, weil es jedem dreiventiligen überlegen ist. Ich habe schon verschiedene Hersteller solcher Instrumente auf mein Projekt angesprochen, weil sie daran Interesse haben, mit dem dazu passenden Lehrwerk ihre Instrumente deutlich besser zu verkaufen. Im Idealfall wird mit jedem vierventiligen Flügelhorn, das gekauft wird, auch einmal diese Flügelhornschule mitverkauft. Somit hätte man zu diesem Instrument auch gleich die „Bedienungsanleitung“.

Kompositionen erwünscht!

Ich lade alle KomponistInnen dazu ein, eigene Etüden und Kompositionen für ein vierventiliges Flügelhorn beizusteuern, die sich auf die mikrotonale, vierventilige Grifftabelle gründen. Die 100 technischen Übungen, von denen unten eine zu sehen ist, sind keine Musik! Unter einer ETÜDE verstehe ich eine KOMPOSITION mit künstlerischem Wert, also Musik, nicht reine Technik in Tabellenform. Ich möchte zusätzlich zu den Grifftabellenwellen Musik in die Flügelhornschule integrieren und KomponistInnen fördern, die auf diese Weise ein wenig mehr bekannt gemacht werden können, wenn diese Flügelhornschule in 7 Sprachen weltweit verkauft wird, weil Virtuosen und Hersteller aus den Ländern dieser 7 Sprachen stammen (s. o.). An die Etüden stelle ich oberflächliche, pragmatische Anforderungen, die zu erfüllen sind:

  1. Das vierte Ventil muss eine zentrale Verwendung darin haben, so dass die Etüde für dreiventilige Instrumente unspielbar ist.
  2. Die Etüde muss bei professionellem Notensatz und guter Lesegröße auf eine Seite oder genau zwei Seiten passen, darf aber auch kürzer sein (halbe Seite), um Blätterstellen auszuschließen.
  3. Das Bassregister darf nur unter den erklärten besonderen Voraussetzungen integriert werden, muss aber nicht.
  4. Zeitgenössische Spieleffekte wie Handplopp, Zungenplopp, (mikrotonale) Triller, Lippentriller (!), Tremoli, Naturtonglissandi, Frickel- und Quetschglissandi, Shakes, Flexuren (Bendings), Quetschtöne (halb gedrückte Ventile/Smear) und sogar herausgezogene Stimmbögen an den Ventilen 1, 2 oder 3 können sehr gerne komponiert werden (alle Spieltechniken, wie sie auch für Trompeten möglich sind, also auch die traditionelle Doppel-, Tripel- und Flatterzunge).
  5. Offene Stilistik: Jazz, Blues, Modern Funk etc. ist ebenso willkommen wie Avantgarde Klassik, Neue/experimentelle Musik. Das betrifft auch Anleihen oder Inspirationen durch arabische Maqam-Modalität, Klezmer-Musik, asiatische Folklore, Indische Ragas usw. Die Mikrotonalität dieses Instrumentes bietet sich hierfür besonders gut an.
  6. Transkriptionen von Folklore außereuropäischer Tonsysteme sind für die Übertragung auf das vierventilige Flügelhorn sehr gern gesehen, weil sie aufgrund ihrer Liedhaftigkeit besonders gut geeignet sind, die Mikrotonalität und Folklore kulturell und intonatorisch kennen zu lernen. In diesem Sinne wäre es sogar erwünscht, eine „orientalische Tonart“ in der Notation zu wählen, die sich auf nur einige Töne begrenzen lässt, die in dem Stück gebraucht werden.
  7. Grafische Notation sollte vor allem dann ergänzend gewählt werden, wenn die alleinige Notation im 5-Liniensystem mit traditionellen Darstellungen unsinnig wäre oder die Lesbarkeit nur erschwerte. Das selbe gilt für den Verzicht auf Notenhälse, Taktarten und Taktstriche.
  8. Ob man feste Metrik oder ohne Taktstriche und Taktartangaben komponiert, ist freigestellt und darf auch gewechselt werden (künstlerische Freiheit). Metrisch gebundene Musik, der man das auch anhört, werte ich nicht als altmodisch und ist genauso gleichberechtigt wie ametrische Musik!
  9. Etüdenduette sind möglich und gerade für Effekte der Schwebung und mikrotonalen Intervallik unumgänglich, aber keine Bedingung oder Voraussetzung. Soloetüden haben Vorrang, weil man kaum eine zweite Person zum Musizieren finden wird, die ebenso ein vierventiliges Flügelhorn und diese Schule dazu hat, um dann diese Etüdenduette auch tatsächlich zu zweit zu spielen.
  10. Nicht erwünscht: Konzertqualität (sehr hoher Schwierigkeitsgrad im Sinne eines Prüfungsstücks, Töne höher als klingend des“‘), Virtuosität, überkomplexe Rhyhtmik, X-Tolen größer 5, Singen und Spielen gleichzeitig, Live- und Zuspielelektronik (ich beabsichtige nicht, eine CD mit Zuspielelektronik der Flügelhornschule beizulegen, die extra produziert werden müsste und den Verkauf verteuert). Zielgruppe sind TrompetenstudentInnen & Profis, die sich mit diesem Instrument und seinen neuartigen Spielmöglichkeiten vertraut machen sollen, nicht Laien/Anfänger bzw. Kinder/Jugendliche. Deshalb darf ein hoher Anspruch, aber nicht extremer Übeaufwand der Zielgruppe zugemutet werden.
  11. Die Erweiterung des Quartventils zum Tritonus- oder Quintventil mit den hier von mir extra angefertigten Zusatzröhren darf nicht in der Etüde genutzt werden, weil diese ja eine Sonderanfertigung und kein Standard ist.
  12. Für Flügelhörner gibt es keinerlei Dämpfer und sie werden sowieso grundsätzlich ohne Dämpfer gespielt. Trompetendämpfer passen nicht in den Schallbecher von Flügelhörnern.

Mein Service:

  1. Ich fertige die Reinschrift als professionellen Notensatz in Druckqualität an und gestalte das Layout
  2. Ich spiele alle Etüden testweise durch (Eignungsprüfung) und tilge Fehler
  3. Ich spiele die Etüden den KomponistInnen vor für einen möglichen „Work in progress“
  4. Ich berate die KomponistInnen für Verbesserungen oder Optimierungen der Stücke
  5. Die Etüde wird bei Eignung in dieser Flügelhornschule abgedruckt einschließlich Geburtsjahrangabe, Webseitenhinweis und @-Adresse der KomponistInnen (für mögliche Kompositionsaufträge)
  6. Ich kann kein Kompositionshonorar zahlen. Wenn es Kunst- und Kulturstiftungen gibt, die dafür einen Kompositionsauftrag nachgewiesen bekommen wollen, werde ich gerne kooperieren. Wenn ein Kompositionsauftrag über eine Stiftung finanziert wird, dann wird das meines Wissens aber sowieso nur genehmigt, wenn das Stück auch live (öffentliches Konzert) gespielt wird, und genau das ist nicht beabsichtigt.

Diese Flügelhornschule, die auch für Euphonium geeignet ist, soll im Jahr 2022 veröffentlicht werden. Der Monat steht noch nicht fest, weil die Übersetzungen noch nicht fertig sind. Diese anzufertigen dauert Wochen bis Monate. Wer für diese Flügelhornschule also eine Etüde komponieren oder eine folkloristische Transkription anfertigen will, schreibt mich bitte unter „Kontakt“ an (info[at]poxymedon.de). Dann kann ein Termin vereinbart werden, an dem ich dieses Instrument persönlich vorspiele, solange es noch kein Video gibt, das dies erklärt.

Grifftabellenwellen

Das ist ein Wortspiel, das sich mit folgender Beispielseite sofort erklärt:

Grifftabellenwellen für die Kombination 4-32

Grifftabellenwellen für die Kombination 4-32

Ich bilde streng systematisch Griffpaare aus der Tabelle von 32 möglichen Griffkombinationen. Dann beginne ich im tiefsten Register, die beiden Griffe abzuwechseln und die dazugehörigen Töne zu spielen. Pro Welle kommt immer ein neuer höchster Ton hinzu, so dass die Wellen immer größer und länger werden. Grundlage der Vorzeichen ist die selbst erstellte aktualisierte Grifftabelle auf dieser Seite. Wenn Töne alternative Griffe haben, die nicht zur gegebenen Übung gehören, werden sie in Klammern unter den Noten bei ihrem ersten Erscheinen angegeben, um Querverbindungen zu den anderen Übungen und immer auch den Bezug zur Grifftabelle herzustellen. Griffalternativen innerhalb der gegebenen Übung bekommen Haltehaken (im vorliegenden Exemplar nicht vorhanden, aber in den anderen Beispielen in der Datei).

Das Schreiben solcher Übungsblätter ist eine filigrane Fummelei am Rechner und dauert pro Blatt inzwischen ca. 2 Stunden. 100 davon werden es am Ende sein, etwas mehr als die Hälfte ist schon fertig. Das ist Arbeit über Monate im Dienste enthusiastischer Musikwissenschaft und praxisorientierter Pionierarbeit für vierventilige Instrumente, denn diese Grifftabellenwellen sind ja auch für vierventilige Piccolotrompeten und sogar Tenorhörner geeignet. Im Text der geplanten Flügelhornschule erkläre ich das Ziel solcher stupiden Grifftabellenwellen. Sie sollen:

  1. das Ohr schulen und es an die zwangsläufig entstehenden Mikrotöne gewöhnen
  2. den Ansatz schulen, der überhaupt nicht gewöhnt ist, Mikrotöne zu spielen (man bindet und überbläst gewohnheitsmäßig direkt in Halbtönen)
  3. die Finger schulen, weil nun ein Finger mehr gebraucht wird und normalerweise beide Hände
  4. das Auge schulen, weil man sich mit der Notation von Mikrogriffen mit ihren Vorzeichen vertraut machen kann
  5. das Gehirn schulen, weil die Griffe alle völlig neu sind, die Intonation neu ist, die autonome Integration des vierten Ventils neu ist