Poxymedon

Trompete / Sopranposaune / Musikwissenschaft

4-ventiliges Flügelhorn

Ein Flügelhorn mit 4 Ventilen ist eine Spezialkonstruktion, mindestens 14 Firmen haben jemals eines produziert (inaktiver Name) oder produzieren aktuell welche (aktiver Name). Dafür gibt es also definitiv einen Markt und Kundenkreis. Es wird entweder als fabrikmäßiges Serieninstrument hergestellt (z.B. von Adams, Getzen, Blessing, Amrein, Courtois, B&S,  Kanstul, seit neustem auch Stomvi (Musikmesse 2016)) oder auf Kundenwunsch gebaut (Thein, Kromat, Bernd Schramm, Matthias Beck, Jestädt und jede weitere Meisterwerkstatt). Das vierte Ventil ist immer ein Quartventil und ermöglicht nicht nur neue Alternativen für alle möglichen traditionellen Griffe, sondern feinste Mikrotöne (bis zu 7 innerhalb einer kleinen Sekunde!) und vor allem das Spielen im tiefsten Register unterhalb des Tonumfangs einer Trompete. Die niederländische Firma Vanlaar baut als einzige serienmäßig in ein Flügelhorn kein Quartventil, sondern ein Vierteltonventil ein. Damit verbunden sind natürlich alle Nachteile, die jedes dreiventilige Flügelhorn gegenüber einem vierventiligen auch hat. Beides ließe sich nur mit 5 Ventilen erreichen… Jedenfalls ist es mit so einem Instrument möglich, exakte Vierteltöne zu spielen – soweit das akustisch überhaupt in allen Registern möglich ist.

Ich empfehle jedem Profi grundsätzlich die Anschaffung eines vierventiligen anstelle eines dreiventiligen Flügelhorns aus Gründen, die in den unten abrufbaren Textdateien genau beschrieben werden, wo es weitere grundlegende Informationen dazu gibt. Sähe eine Trompetenfirma keinen Bedarf an solchen Instrumenten, würden sie sie nicht so zahlreich herstellen. Die Zielgruppe sind eindeutig Profimusiker und professionell orientierte Kunden, weil jedes Flügelhorn zwischen 2800 bis 3300,-€ und noch mehr kostet, was sich kein Neuling, Einsteiger und Hobbymusiker/Amateur leistet. Es gibt für vierventilige Flügelhörner keinen Billigsektor wie bei Trompeten, die unter 1000,-€ zu bekommen sind.

Elementare Texte mit Grundlagen, Noten, Grifftabellen

Die Elementarinformationen enthalten alles, was an Vorinformationen zu diesem Instrument wichtig ist, wie es im ganzen Internet keine zweite Quelle gibt für alle, die so ein Instrument noch nie gesehen haben und wissen wollen, wofür das vierte Ventil da ist. Für das vierventilige Flügelhorn gibt es eine aktualisierte Grifftabelle ohne Erklärungstext, die selbstverständlich nach B transponierend ist. Die Erklärungen zur Grifftabelle (mit der selben transponierenden Grifftabelle) zeigen, wie sie zustande gekommen ist. Dieser Text erklärt sehr präzise die Tonauswahl und die Notation der Mikrotöne über den gesamten Tonumfang des Instruments. Diese Tabelle habe ich mit vierventiligen Piccolotrompeten ausprobiert – es ergibt sich exakt die selbe Tonstruktur. Deshalb ist sie, ausgenommen das Bassregister, grifftechnisch analog dazu identisch für eben solche Piccolotrompeten verwendbar und nur der absolute Tonumfang muss eine kleine Septime höher transponiert gedacht werden, während die Griffe alle die selben bleiben!

Für das Bassregister gibt es keine Kompositionen, aber eine elementare technische Übung, die man hier ansehen und als PDF-Datei herunterladen kann. Mann muss sich grundsätzlich mit diesem tiefsten Register des Flügelhorns beschäftigen, um es musikalisch nutzen zu können. Mit dem Quartventil kann man ab dem ersten Naturton eine vollständig chromatische Oktave abwärts spielen. Noten für das Bassregister müssen auch im Bassschlüssel notiert werden! Es ist falsch, einen oktavierenden Violinschlüssel zu benutzen oder ein Oktavazeichen unter die regulär geschriebenen Töne zu schreiben, weil jeder Trompeter mit den Standardnoten konkrete, feste Ventilgriffe assoziiert, die sich eine Oktave tiefer im Bassschhlüssel komplett ändern! Da man das Bassregister sowieso optisch und spieltechnisch für das Flügelhorn neu lernen muss, selbst wenn man den Bassschlüssel gut lesen kann, lernt man zur Basstonnotation auch gleich die neuen Griffkombinationen, die vorher nie gebraucht wurden. Deshalb keinesfalls den Violinschlüssel für das Bassregister benutzen oder Oktavazeichen darunter schreiben!

Es gibt zum vierventiligen Flügelhorn eine inzwischen veraltete Grifftabelle, die in diesem Fachartikel der Zeitschrift Sonic noch die Grundlage war und ebenfalls von mir stammt. Die aktualisierte Grifftabelle ist um alle Trompetengriffe und diejenigen bereinigt, die nur mit einem einzigen Bautyp spielbar sind, nämlich demjenigen von B & S aus der Challenger-Serie. Jenes Instrument wird seit 2007 nicht mehr produziert. Bei seiner Bauform war es möglich, ein Zwischenstück im Quartventilrohr herauszunehmen und eine große Terz zu erzeugen. Wer das wünscht, muss sich nachträglich für das eigene Quartventil ein Rohrstück anfertigen lassen, das auf die Muffen des Quartventils passt, dann wäre auch jene Grifftabelle wieder voll nutzbar.

Schließlich gibt es noch ein Dokumentationsbuch namens „Das Flügelhorn“ der Autoren Ralph T. Dudgeon & Franz X. Streitwieser, das viele Fotos und historische Erklärungen enthält. Das gibt es bei Amazon oder aus der Fernleihe einer Bibliothek, wenn es die eigene nicht hat.

Wer spielt ein vierventiliges Flügelhorn?

Ich kenne bislang 7 Trompeter. Wer wie ich selbst ein vierventiliges Flügelhorn spielt oder KünstlerInnen damit kennt, möge sich bei mir melden, damit ich hier auf ihn oder sie hinweisen kann. Der prominenteste Spieler eines solchen Instruments ist der Russe Sergej (Michailowitsch) Nakarjakov, vier deutsche sind Stephan Meinberg, Matthias Höfs, Marcus Rust sowie Matthias Schriefl. Zwei mexikanische Trompeter sind Geo Del Valle (lebt derzeit (2021) in Köln und hat diesen YouTube-Kanal) und Pacho Flores. Pacho Flores ist so genannter „Endorser“ der Firma Stomvi, spielt also nur deren Instrumente und berät sie bei deren Weiterentwicklung, weshalb auch seine B- und C-Trompeten sowie sein Cornu da caccia 4 Ventile haben (s.o.). Geo Del Valle spielt auch das Stomvi-Flügelhorn mit vier ventilen. Sergej Nakarjakov ist wiederum Endorser der Firma Courtois aus Frankreich, wo er lebt. Endorsement ist für Klassiker sehr ungewöhnlich.

Besonderheiten einzelner Instrumente

Alle Firmen bis auf Kromat und Matthias Beck bauen ausschließlich Pumpventile ein. Erstere Firma hat nur das vierte Ventil als Drehventil eingebaut, während bei letzterer Firma alle Ventile Drehventile sind.  Das zweite Flügelhorn habe ich nur auf der Messe einmal gesehen und kurz ausprobieren können und war eine Einzelanfertigung (Prototyp). Die Firma Matthias Beck hat ihr dreiventiliges Flügelhorn so konstruiert, dass der Hauptstimmbogen ausgewechselt und mit einem „Nachrüstbausatz“ (ca. 1100,-€) das Flügelhorn jederzeit später um das vierte Ventil erweitert werden kann.

Ferner sind die Firmen Thein und Matthias Beck die einzigen Firmen, deren Konstruktion gar nichts anderes zulässt, als alle 4 Ventile ausschließlich mit der rechten Hand zu spielen, so dass die linke Hand nie alternativ das vierte greifen kann. Beim Kromat-Flügelhron kann wiederum das vierte Ventil nur mit der linken Hand gespielt werden. Hier ist der Vorteil, dass man das Instrument besser festhalten kann, weil der Pumpventilabstand genauso breit ist wie bei Trompeten (es sind ja auch nur drei Ventile hintereinander).

Üblich ist für den kleinen Finger der rechten Hand ein Haltehaken (kein Haltering), der bei Flügelhörnern auf dem Schallbecher aufgelötet wird. Die Firmen Adams und Getzen verzichten als einzige bei ihren vierventiligen Flügelhörnern auf einen Fingerhaken am Schallbecher. Alle anderen Hersteller haben ihn hinter dem vierten Ventil verbaut, um die Wahl zu haben, ob man den kleinen Finger zum Festhalten oder zum Ventilspielen nimmt. Da ich ohnehin empfehle, das vierte Ventil prinzipiell mit der linken Hand zu spielen, ist die letztere Variante keine Fehlkonstruktion, sondern Kalkül. Es ist spieltechnisch wärmstens zu empfehlen, Haltedruck von beiden Händen auszuüben, um das Instrument stabil zu halten. Auch deshalb sollte der kleine Finger der rechten Hand zum Festhalten weiterhin verwendet werden können und nicht zum Ventilspielen.

Stomvi und der Tritonusbogen

Auf der Musikmesse 2016 präsentierte die spanische Firma Stomvi unglaublich innovative Neuentwicklungen: die Serie Titán – four valve Edition! Es wird nicht nur ein Flügelhorn mit 4 Ventilen angeboten, sondern auch noch eine B-Trompete (!), eine C-Trompete (!) und die D/Es Doppeltrompete (!). Das Flügelhorn hat zudem zwei Intervallbögen zum Auswechseln. Das Endstück am Quartventil lässt sich entfernen und wahlweise auf Tritonus wechseln, weil der Zusatzbogen beim Kauf gleich mitgeliefert wird. Mit dieser neuen Serie ist das bisherige Maximum der Erweiterbarkeit an Ventilen und Rohrlängen für Trompeten und Flügelhörner erreicht. Eine neue Grifftabelle mit diesem Tritonusventil an vierter Stelle eines Flügelhorns habe ich ebenso experimentell erspielt und hier veröffentlicht! In der zweiten Hälfte der oberen Bassoktave vor dem ersten Naturton ist damit aber immer noch nicht der letzte fehlende Halbton spielbar, weil dieser Tritonus ein Längenverhältnis zum Hauptrohr OHNE Ventile hat. Somit ist er noch zu kurz, um ein Längenverhältnis zu haben, wenn die drei ersten Ventile gedrückt werden. Um diese Halbtonlücke zu schließen, müssen entweder zusätzlich noch vorhandene Intonationsmechaniken zugeschaltet werden (am ersten und dritten Ventil, falls vorhanden), oder der Tritonusbogen muss als Quintbogen konstruiert werden.

Das Flügelhorn von Matthias Schriefl – gebaut von Bernd Schramm in Köln

Das vierventilige Flügelhorn von Matthias Schriefl ist eine Einzelanfertigung für ihn und sieht so aus:

Schriefl hat auf das Polieren und Lackieren und eine Haltevorrichtung für den kleinen Finger der rechten Hand am Schallbecher verzichtet.

Die besonderen Eigenschaften dieses Instrumentes sind:

  • auswechselbarer bzw. demontierbarer Schallbecher mit Überwurfschraube (unten Mitte die Verdickung) durch vier verschraubbare Stützen. Grund ist, Verbeulungen besser ausbeulen zu können und nicht, tatsächlich einen anderen Schallbecher einzubauen.
  • Goldmessing mit 0,45mm Metalldicke, 11mm Bohrung
  • Intonationsmechanik am dritten Ventil mit Hebel und Federung
  • Intonationsmechanik am vierten Ventil ohne Federung
  • am vierten Ventil Anschlagsbegrenzung bzw. „Herausfallsicherung“

Tritonuserweiterung als Nachrüstbausatz an einem beliebigen Flügelhorn

Ich besitze ein vierventiliges Flügelhorn der Marke Blessing. Es ist aus der damaligen Serie namens Artist, hat die Typenbezeichnung ELK HART-IND. U.S.A. und die Seriennummer 467612  Es hat keinerlei Trimmer- oder Triggersysteme. Dies ist ein Foto vor meinen Umbauten.

mein Flügelhorn von rechts

Ich habe es erweitert und umbauen lassen: die Erweiterung sind Aufsteckröhren für das Quartventil, die jenes zum Tritonus bzw. auch zur Quinte verlängern, um im chromatischen Grenzbereich direkt oberhalb der ersten Oktave überhaupt präzise Töne spielen zu können. Wer bereits ein vierventiliges Flügelhorn besitzt, möge sich von mir dringend überzeugen lassen, sich ebenfalls zusätzliche Rohrstücke anfertigen zu lassen, mit denen das Quartventil zum Tritonus und zur Quinte verlängert werden kann. Das ist sehr billig, wenn man sich keinen Rohrbogen, sondern zwei einzelne gerade Zusatzröhren bauen lässt, die man als Zwischenstücke in die Quartröhre einfügen kann (am Ende oder mitten drin).

Flh Rohrstücke

Ins Instrument eingebaut sieht das so aus:

4tes Ventil Detail erste Verlängerung

Mit nur einer einzigen Verlängerung ist ein Tritonus in bauchbarer Qualität entweder mit der kürzeren oder längeren Rohrvariante spielbar. Das wirkt sich auf die Intonation sämtlicher Töne aus, die mit dem vierten Ventil gespielt werden. Werden beide Rohrstücke gleichzeitig eingebaut, wird aus dem Quartventil ein Quintventil:

4tes Ventil Detail beide Verlängerungen

Die Verlängerungen sind nicht nur beliebig kombinierbar und reversibel, rutschen nicht raus, können vorintoniert und gefettet leicht entfernt werden. Je nach Konstruktionsweise des Flügelhorns wird die Werkstatt die passende Lösung finden. Das hatte ich nämlich wegen der Probleme vor dem ersten Naturton vor der Musikmesse schon in Auftrag gegeben und stellte dann perplex fest, dass die Firma Stomvi unabhängig von mir selber schon auf diese Idee gekommen ist! Das Tritonusventil könnte das Quartventil langfristig überflüssig machen. Dazu fehlt derzeit aber jegliche Spielpraxis, um das zu bewerten. Meine eigene Spielerfahrung bestätigt: wozu noch ein Quartventil verwenden, wenn das Tritonusventil dieses nicht nur schon in sich trägt, sondern darüber hinaus auch noch weitere Vorteile bietet, die das Quartventil gar nicht zulässt? Der entscheidende chromatische Halbton vor dem ersten Naturton im Flügelhorn ist aber nicht mit diesem Tritonusventil spielbar, sondern nur mit Quintventil, zusätzlich noch die Oktave darunter. Beides ist nur mit dem Quartventil unmöglich und es gibt keinerlei Einschränkungen, die man mit dem Quintbogen in Kauf nehmen muss, welche nur mit dem Quartventil spielbar sind.

Originalkompositionen für normales (dreiventiliges) Flügelhorn

Das reguläre, dreiventilige Flügelhorn hat eine seltsame Musikgeschichte und wird heute vorrangig im Jazz gespielt, dort vereinzelt in Bigbandnoten verlangt, aber ebenso von Solisten als Hauptinstrument gespielt (z.B. Clark Terry oder Kenny Wheeler). Außerhalb des Jazz ist das Flügelhorn quasi unbekannt, d.h. für Klassische Konzertmusik, Punkrock / Ska, Reggae, Funk / Soul oder Popmusik (die Klangdatei dieses Solos ist bei meinen Transkriptionen zu hören), weil es so gut wie keine Originalkompositionen dafür gibt, sei es Kammermusik (z.B. im Blechquintett als Wechselinstrument für Trompeter), Ensemble oder Sinfonieorchester. Ausnahmen für Kenner sind von Gustav Mahler die 3. Sinfonie, wo es nur im dritten von sechs Sätzen eine eigene Partie bekommt, oder von Ralph Vaughan-Williams die 9. Sinfonie, wo es in allen Sätzen vorkommt. In Solokonzerten für Trompete wird es abschnittsweise von Mark-Anthony Turnage  sowie von Tobias Broström verlangt.

Ein einzelnes Flügelhorn gehört zur festen Besetzung einer Brassband, in der keine Trompeten mitspielen, sondern Kornette. Der Name Brassband ist aber falsch bzw. irreführend, weil es sich hierbei nicht um eine Band von ein paar Leuten, sondern um ein Blechblasorchester handelt. Freilich wird es Flügelhornnoten für Militärkapellen, Marchingbands und ähnliche Besetzungen geben, aber dort wurde das Flügelhorn ja sowieso immer schon rekrutiert. Wer Originalkompositionen für Flügelhorn kennt, möge mich bitte informieren, weil ich langfristig eine Werkliste zusammenstellen könnte.

Flügelhornschule für 4-ventilige Instrumente

Ich habe mir akribische musikwissenschaftliche Arbeit mit zwei Spezialinstrumenten gemacht, um ihre Spieltechniken auszukosten und fachlich beschreiben zu können. Eines davon ist die Sopranposaune mit Quartventil, das andere das vierventilige Flügelhorn. Für beide Instrumente gibt es keine Lehrwerke, keine Grifftabellen, keine theoretischen Texte, das heißt solche, die nicht musikgeschichtlich fokussiert  sind, sondern spielpraktisch. Es gibt also keine schriftlich festgehaltenen Spielerfahrungen oder gar eine Spieltradition, was bei der Exotik dieser Instrumente nicht verwundert. Deshalb stelle ich meine eigenen Forschungsergebnisse auszugsweise hier zur allgemeinen Verbreitung zur Verfügung. Das reicht aber nicht. Ich schrieb eine Flügelhornschule speziell für solche vierventiligen Instrumente, weil es nicht damit getan ist, einfach nur eine aufwändige Grifftabelle zu erstellen. Der Umgang mit dem vierten Ventil muss separat geübt werden. Es gibt noch keine Etüden und keine Kompositionen dafür. Niemand außer mir kennt sich mit dem Nutzen des vierten Ventils in diesem maximalen Umfang aus. Meine eigenen Informationen sind ein Anfang dazu.

Die erste Flügelhornschule der Welt

Von Ende 2015 bis 2020 arbeitete ich an der weltweit ersten Flügelhornschule und schrieb tabellarische, technische Übungen, so genannte Grifftabellenwellen, von denen hier Probeseiten zu finden sind wie auch unten eine einzelne. Ziel ist, jeden rechnerisch möglichen Griff (es gibt 16 verschiedene) gleichmäßig in Spielübungen zu integrieren und das Ohr genauso an die ungewöhnlichen Mikrotöne und Intervalle zu gewöhnen wie die Hände und das Auge ans Notenbild. Die Einführungstexte sind dazu fertig und bereits in drei Sprachen übersetzt worden (französisch, englisch, spanisch). Japanisch ist gerade in Arbeit und in Planung ist Niederländisch und Russisch. Die für die Druckversion geschriebenen Texte enthalten noch mehr als alles, was auf dieser Webseite schon erklärt wird. Die Zielgruppe dieser Flügelhornschule sind professionelle Trompeter, weil sich keine Anfänger ein Flügelhorn kaufen, schon gar keines mit 4 Ventilen. Mit der Schule soll nicht nur der Mangel an einer solchen beseitigt werden, sondern das vierventilige Flügelhorn auch populärer werden, weil es jedem dreiventiligen überlegen ist. Ich habe schon verschiedene Hersteller solcher Instrumente auf mein Projekt angesprochen, weil sie daran Interesse haben, mit dem dazu passenden Lehrwerk ihre Instrumente deutlich besser zu verkaufen. Im Idealfall wird mit jedem vierventiligen Flügelhorn, das gekauft wird, auch einmal diese Flügelhornschule mitverkauft. Somit hätte man zu diesem Instrument auch gleich die „Bedienungsanleitung“.

Kompositionen erwünscht!

Ich lade alle KomponistInnen dazu ein, eigene Etüden und Kompositionen für ein vierventiliges Flügelhorn beizusteuern, die sich auf die mikrotonale, vierventilige Grifftabelle gründen. Die 100 technischen Übungen, von denen unten eine zu sehen ist, sind keine Musik! Unter einer ETÜDE verstehe ich eine KOMPOSITION mit künstlerischem Wert, also Musik, nicht reine Technik in Tabellenform. Ich möchte zusätzlich zu den Grifftabellenwellen Musik in die Flügelhornschule integrieren und KomponistInnen fördern, die auf diese Weise ein wenig mehr bekannt gemacht werden können, wenn diese Flügelhornschule in 7 Sprachen weltweit verkauft wird, weil Virtuosen und Hersteller aus den Ländern dieser 7 Sprachen stammen (s. o.). An die Etüden stelle ich oberflächliche, pragmatische Anforderungen, die zu erfüllen sind:

  1. Das vierte Ventil muss eine zentrale Verwendung darin haben, so dass die Etüde für dreiventilige Instrumente unspielbar ist.
  2. Bei Mikrotonalität müssen die mikrotonalen Vorzeichen aus der aktualisierten Grifftabelle verwendet werden (siehe PDF-Datei), damit man genau darin jederzeit nachsehen kann, wie sie gespielt werden. Alle technischen Spielroutinen wurden nur mit diesen Vorzeichen notiert.
  3. Die Etüde bzw. das Stück soll bei professionellem Notensatz und guter Lesegröße auf eine Seite oder genau zwei Seiten passen, um Blätterstellen auszuschließen, weil derzeit die Paginierung (Seitenaufteilung, Seitenzählung) noch nicht feststeht. Denkbar sind auch mehrere kleine zusammengehörige Stückchen, die auf eine bis zwei Seiten passen. Wenn jemand unbedingt mehr als zwei Seiten komponieren will, lasse ich mit mir reden 😉
  4. Das Bassregister kann unter den erklärten besonderen Voraussetzungen integriert werden. Vom ersten Naturton abwärts steht eine vollständig chromatische Oktave zur Verfügung. Da Flügelhornspieler erfahrungsgemäß nie im Bassregister spielen, weil diese Tiefe musikalisch nicht kultiviert wird, mit nur drei Ventilen bloß sieben Töne spielbar sind und die Musiker von der Trompete kommen, sollten unbedingt auch Musikpassagen ab f abwärts (erster Halbton unter dem tiefsten regulären Trompetenton) vorkommen, die mit der Trompete und dreiventiligen Flügelhörnern nicht spielbar sind.
  5. Alle traditionellen Spieltechniken, wie sie auch für Trompeten möglich sind (Doppel-, Tripel- und Flatterzunge, (mikrotonale) Triller, Lippentriller (!) ab 8. Naturton, Tremoli) wie auch alle für die Trompete möglichen zeitgenössischen Spieleffekte (Handplopp, Zungenplopp, Naturtonglissandi, Frickel- und Quetschglissandi, Shakes, Flexuren (Bendings), Quetschtöne (halb gedrückte Ventile/Smear) und sogar herausgezogene Stimmbögen an den Ventilen 1, 2 oder 3 können uneingeschränkt und sehr gerne auch fürs Flügelhorn komponiert werden. Für viele dieser experimentellen Spieltechniken gibt es hier ein Video. Ich empfehle außerdem, sich meine eigenen bisherigen Soloetüden anzusehen, die alle auf eine Seite passen. Speziell Flexuren und Zungenplopps ist vorbildlich für den Zweck der Flügelhornschule, weil es hierzu auch eine Audiodatei gibt (auf der Seite mit allen Etüden) und sehr gut zu sehen ist, wie solche Techniken notiert werden sollten, wenn halbgedrückte Ventile auf- und abwärts gedrückt und mit dem Ansatz zusätzlich durch Flexur gespielt werden.
  6. Offene Stilistik: Jazz, Blues, Modern Funk etc. ist ebenso willkommen wie Avantgarde Klassik, Neue/experimentelle Musik. Das betrifft auch Anleihen oder Inspirationen durch arabische Maqam-Modalität, libanesische und Klezmer-Musik, asiatische Folklore, Indische Ragas usw. Die Mikrotonalität dieses Instrumentes bietet sich hierfür besonders gut an. Solche Musik zeigt die Vielseitigkeit dieses Instruments.
  7. Transkriptionen von Folklore außereuropäischer Tonsysteme sind für die Übertragung auf das vierventilige Flügelhorn sehr gern gesehen, weil sie aufgrund ihrer Liedhaftigkeit besonders gut geeignet sind, die Mikrotonalität und Folklore kulturell und intonatorisch kennen zu lernen. In diesem Sinne wäre es sogar erwünscht, eine „orientalische Tonart“ in der Notation zu wählen, die sich auf nur einige Töne begrenzen lässt, die in dem Stück gebraucht werden.
  8. Grafische Notation sollte vor allem dann ergänzend gewählt werden, wenn die alleinige Notation im 5-Liniensystem mit traditionellen Darstellungen unsinnig wäre oder die Lesbarkeit nur erschwerte. Das selbe gilt für den Verzicht auf Notenhälse, Taktarten und Taktstriche.
  9. Ob man feste Metrik oder ohne Taktstriche und Taktartangaben komponiert, ist freigestellt und darf auch gewechselt werden (künstlerische Freiheit). Metrisch gebundene Musik, der man das auch anhört, werte ich nicht als altmodisch und ist genauso gleichberechtigt wie ametrische Musik!
  10. Duette sind möglich und gerade für Effekte der Schwebung und mikrotonalen Intervallik unumgänglich, machen aber wenig Sinn, weil man kaum eine zweite Person zum Musizieren finden wird, die ebenso ein vierventiliges Flügelhorn und diese Schule dazu hat, um dann diese Etüdenduette auch tatsächlich zu zweit zu spielen.
  11. Nicht erwünscht: Virtuosität, Konzertqualität = sehr hoher Schwierigkeitsgrad im Sinne eines Prüfungsstücks oder Solistenkonzerts wie bei L. Berio: Sequenza X, P.M. Davies: Litany, Antoine Tisné: Émotion, H.W. Henze: Sonatina und weitere Stücke, die auch Profis nie live spielen, sondern bestenfalls für eine CD, weil sie unspielbar schwer sind.
  12. Nicht erwünscht: Töne höher als klingend des“‘, überkomplexe Rhyhtmik, X-Tolen größer 6, Singen und Spielen gleichzeitig (ist gerade für den Unterschied von Männer- und Frauenstimmen  zu schlecht erforscht), Live- und Zuspielelektronik. Ich beabsichtige nicht, eine CD mit Zuspielelektronik der Flügelhornschule beizulegen, die extra produziert werden müsste und den Verkauf verteuert.
  13. Zielgruppe sind TrompetenstudentInnen & Profis (nicht Laien/Anfänger bzw. Kinder/Jugendliche), die sich mit diesem Instrument und seinen neuartigen Spielmöglichkeiten vertraut machen und dieses Instrument für sich entdecken und kennen lernen sollen. Deshalb darf ein hoher Anspruch, aber nicht extremer Übeaufwand der Zielgruppe zugemutet werden. Die Erwachsenen müssen sich also ohne Lehrer/Dozenten mit der Flügelhornschule beschäftigen und sich alles selber beibringen.
  14. Die Erweiterung des Quartventils zum Tritonus- oder Quintventil mit den hier von mir extra angefertigten Zusatzröhren darf nicht in der Etüde genutzt werden, weil diese ja eine Sonderanfertigung und kein Standard ist.
  15. Für Flügelhörner gibt es keinerlei Dämpfer. Sie werden sowieso grundsätzlich ohne Dämpfer gespielt. Trompetendämpfer passen nicht in den Schallbecher von Flügelhörnern. Es gibt aber eine nie erprobte experimentelle Ausnahme: der Plunger (Klopümpel aus Gummi) ist möglich. Es funktioniert auch ein Gummibecher aus dem Baumarkt (zum Anrühren von Spachtelmasse und Beton) als Plungerdämpfer sehr gut. So ein Gummibecher kostet keine 5,- € im Baumarkt. Voraussetzung für Dämpferspiel ist ein Fingerring oder ein Haltehaken, wie an allen Trompeten üblich ist, auf dem Schallbecher für den kleinen Finger der rechten Hand, um die linke Hand für den Dämpfer frei zu bekommen. Die Firmen Adams, Getzen und Blessing (s. o.) haben keinen solchen an ihren Instrumenten. In diesem Fall ist das vierte Ventil nicht mehr spielbar – ein Finger fehlt.

Mein Service:

  1. Ich fertige die Reinschrift als professionellen Notensatz in Druckqualität an und gestalte das Layout
  2. Ich spiele alle Etüden testweise durch (Eignungsprüfung) und tilge Fehler
  3. Ich spiele die Etüden den KomponistInnen vor für einen möglichen „Work in progress“
  4. Ich berate die KomponistInnen für Verbesserungen oder Optimierungen der Stücke
  5. Die Etüde wird bei Eignung in dieser Flügelhornschule abgedruckt einschließlich Geburtsjahrangabe, Webseitenhinweis und @-Adresse der KomponistInnen (für mögliche Kompositionsaufträge und allgemeine Kontaktaufnahme)
  6. Alle Übersetzer und Komponisten bekommen ein Freiexemplar geschenkt.
  7. Ich kann als Privatperson kein Kompositionshonorar zahlen. Da jedem Notenverlag das Veröffentlichungsrisiko zu groß und der Markt dafür zu klein ist, erscheint diese Flügelhornschule als Privatdruck. Wenn es Kunst- und Kulturstiftungen gibt, die dafür einen Kompositionsauftrag nachgewiesen bekommen wollen, werde ich gerne kooperieren. Wenn ein Kompositionsauftrag über eine Stiftung finanziert wird, dann wird das meines Wissens aber sowieso nur genehmigt, wenn das Stück auch live (öffentliches Konzert) gespielt wird, und genau das ist zwar nicht beabsichtigt, dann aber möglich. Wenn Komponisten Exklusivverträge mit einem Notenverlag haben, dürfen sie nichts außerhalb dieses Verlages veröffentlichen und müssen dafür eine Genehmigung bekommen. Wird diese vom Verlag nicht erteilt, darf für diese Flügelhornschule wohl nicht komponiert werden.

Diese Flügelhornschule, die auch für Euphonium geeignet ist, soll im Jahr 2022 veröffentlicht werden. Der Monat steht noch nicht fest, weil die japanische Übersetzung noch nicht fertig ist. Wenn noch weitere Sprachen hinzukommen (gewünscht sind noch russisch und holländisch), verschiebt sich die Veröffentlichung weiter. Wer für diese Flügelhornschule also eine Etüde oder sonstiges Stück komponieren oder eine folkloristische Transkription anfertigen will, schreibt mich bitte unter „Kontakt“ an (info[at]poxymedon.de). Dann kann ein Termin vereinbart werden, an dem ich dieses Instrument persönlich vorspiele, solange es noch kein Video gibt, das dies erklärt.

Grifftabellenwellen

Das ist ein Wortspiel, das sich mit folgender Beispielseite sofort erklärt:

Grifftabellenwellen für die Kombination 4-32

Grifftabellenwellen für die Kombination 4-32

Ich bilde streng systematisch Griffpaare aus der Tabelle von 16 möglichen Griffkombinationen. Dann beginne ich im tiefsten Register, die beiden Griffe abzuwechseln und die dazugehörigen Töne zu spielen. Pro Welle kommt immer ein neuer höchster Ton hinzu, so dass die Wellen immer größer und länger werden. Grundlage der Vorzeichen ist die selbst erstellte aktualisierte Grifftabelle auf dieser Seite. Wenn Töne alternative Griffe haben, die nicht zur gegebenen Übung gehören, werden sie in Klammern unter den Noten bei ihrem ersten Erscheinen angegeben, um Querverbindungen zu den anderen Übungen und immer auch den Bezug zur Grifftabelle herzustellen. Griffalternativen innerhalb der gegebenen Übung bekommen Haltehaken (im vorliegenden Exemplar nicht vorhanden, aber in den anderen Beispielen in der Datei).

Das Schreiben solcher Übungsblätter ist eine filigrane Fummelei am Rechner und dauerte pro Blatt zwischen zwei und vier Stunden. 100 davon sind es geworden, alles ist fertig. Das war Arbeit über mehr als ein Jahr im Dienste enthusiastischer Musikwissenschaft und praxisorientierter Pionierarbeit für vierventilige Instrumente, denn diese Grifftabellenwellen sind ja auch für vierventilige Piccolotrompeten und sogar Tenorhörner und Euphonien geeignet. Im Text der geplanten Flügelhornschule erkläre ich das Ziel solcher stupiden Grifftabellenwellen. Sie sollen:

  1. das Ohr schulen und es an die zwangsläufig entstehenden Mikrotöne gewöhnen
  2. den Ansatz schulen, der überhaupt nicht gewöhnt ist, Mikrotöne zu spielen (man bindet und überbläst gewohnheitsmäßig direkt in Halbtönen)
  3. die Finger schulen, weil nun ein Finger mehr gebraucht wird und normalerweise beide Hände
  4. das Auge schulen, weil man sich mit der Notation von Mikrogriffen mit ihren Vorzeichen vertraut machen kann
  5. das Gehirn schulen, weil die Griffe alle völlig neu sind, die Intonation neu ist, die autonome Integration des vierten Ventils neu ist