Poxymedon

Trompete / Sopranposaune / Musikwissenschaft

Pachelbelsequenz = Quartfallsequenz mit Sekundstieg = 15634126745237

Diese Sequenz kann Pachelbelsequenz genannt wer­den, um den umständlichen Arbeitstitel „Quartfallsequenz mit Sekundstieg“ nicht nennen zu müssen.[1] Die lange Ziffernfolge ist die vollständige Sequenz, die niemals verwendet wird, weil sie viel zu lang ist. Der Pachelbelkanon ist keine Vollkadenz dieser Se­quenz, sondern verwendet bloß die ersten 6 bzw. 7 Harmoniewechsel (156341~). Jo­hann Pachelbel (1653-1706) hatte vor über 300 Jahren einen „Kanon in D“ komponiert, aber diese Komposition ist überhaupt kein Kanon und kein einziges Musikbuch spricht das an! Dessen Harmoniegerüst wird heute in der Rock- und Popmusik stets neu aufgegriffen und führt immer wieder zu Erfolgen. Selbst der Komponist Johann Pachelbel hatte seinerzeit allerdings nur dieses bereits längst in der Barockmusik bekannte und beliebte Harmonieschema aufgegriffen und nicht selbst erfunden! Es war seinerzeit ohnehin allgemein üblich, zu gegebenen Bassläufen immer neue Variationen der Obermelodien zu improvisie­ren und darüber neue Stücke zu schreiben, genau wie in einer Passacaglia oder Chaconne. Heute macht man das nicht mehr über Bassmelo­dien, sondern über Akkordfolgen. Die Originalakkordfolge kann auch variiert vorkommen (weglassen, verlängern oder erset­zen einer Akkordstufe) Ferner sind folgende Viererpartitionen daraus isoliert betrachtet eigenständige Rekursivblöcke: 1563, 6341 und 4125 (siehe Rekursivblocksammlung auf der zugewiesenen Seite). Es ist hier bei allen Variationen sehr gut zu erkennen, wie ökonomisch die Harmoniewechsel einschließlich ihrer Umkehrungen mit dem von mir entwickelten Verfahren in einer Zeile notiert werden können und wie übersicht­lich das Ergebnis plötzlich aussieht, weil keine römischen Stufenzahlen mehr für ein getrenntes Dur- und Mollsystem verwendet werden. Traditionelle Beschreibungen mussten bislang alternativ zu römischen Stufenzahlen immer die absoluten oder die auf C-Dur trans­ponierten Akkordnamen mit Groß- und Kleinschreibung nennen. Das fällt hier völlig weg, meine Methode leistet mehr. Es gibt vor al­lem in der Barockmusik massenweise Fälle für diesen Sequenztyp, der hier nicht extra dokumentiert zu werden braucht.

Songbeispiele mit dem Pachelbel’schen Originalverlauf (15634145):
Galway Races/ Ralph McTell: Streets of London (S)
The Farm: All together now (T)
Village People 1979 (Pet Shop Boys 1993): Go West (T)
Scatman John (1995): Scatmans World (T)
Tizianno Ferro & Kelly Rowland: Breathe gentle (T)
WIZO: K.I.K. III (Keiner ist kleiner) (T)
Trans Siberian Orchestra: Christmas Canon Rock (T)
Die Firma: Die eine (T)
Ekseption: Julia (sehr spät erst beim Trompetensolo)
Coolio: C u when u get there (T)
Russische Nationalhymne
Sweetbox: Life is cool (I, S, R)
Pur: Lena (I, R 156321/345)
Vitamin C: Graduation song (=Friends forever) (T & +3)
Aphrodite’s Child: Rain and tears (R, S 15/7634145)
Bob James: In the garden (T)
Angel’s Heart (Punk): So long (T)Variation 15634125:
Catch 22 (Skapunk): On & on & on (S, B)
Puhdys: Wenn ein Mensch lebt (S, Z)
Manowar: Curage (I, Z, S)
Everly Brothers: Let it be me (R 1561/541/3 [2,,,5]1)
Ace of base: Come to me (I, R)
Shakira: Octavo dia (B nur in erster Hälfte)
Bravo All Stars: Let the music heal your soul (S)
 United Superstars (Castingband aus „Deutschland sucht den Superstar“ bzw. Dieter Bohlen): We have a dream (S)

Variation 15634155:
Petula Clark: Don’t sleep in the subway (5/1)
Green Day: Basket case (S)
Aerosmith: Crying (S)
Lenka: Trouble is a friend (R)
Casus Belli (Metal): Mirror out of time (R)
Die Toten Hosen: Alles was war (R)
Bläck Fööss: Drink noch ene met (R 15/763415Q5)
Ska-P: El libertador (R)

Variation 15634151:
Bee Gees: Spicks and specks (T)

Variation 15/761/541/325
Beginnend mit der Tonika schreitet der Bass durch die Tonleiter lückenlos abwärts bis zur 2:
OMD: Walking on the milky way (S+R)
Rainbow: Since you’ve been gone (S)
My Chemical Romance: Welcome to the black parade (I, S, R, Z)
Juanes: Volverte a ver (I, S)
Pur: Hör gut zu (R 15/761/541/355)
Billy Joel: Piano man (I, S, R 13/74/61/541/3+25)
Wir sind Helden: Nur ein Wort (B)
Harald Juhnke: Barfuß oder Lackschuh (I, R)
Jackson 5: I’ll be there (R 15/763[42]5)
Joe Dassin(1970): Les Champs-Élysées (T)
Aphrodite’s Child: Rain and tears (I, Z 15/76341+2)
White Lion: When the children cry (S 15/7634165~)
The three degrees: When will I see you again (I, S 15/761/541/34/55)
K’Naan: Waving flag (S)
Janet Jackson: Together again (R)Variation 15634515:
Fools Garden: Lemon tree (R)
Oasis: Don’t look back in anger (S, R 156+3451[65]), Whatever: 15654515 (R)
Mando Diao: You can’t steal my love (I, S, G)
Zlatko & Jürgen: Großer Bruder (eR 15634511)

Variation 15634165: Befour: Live your dream (T)

Entferntere Beispiele:
In diesen Beispielen ist durch den Harmonieverlauf oder die fortschreitenden Basstöne nur noch eine Anleihe oder Erinnerung an den originalen Harmonieverlauf des Pachelbelkanons gegeben. Der Basston erscheint häufig als Umkehrungsakkordton, also Terz oder Quinte der Grundakkorde.

Percy Sledge: When a man loves a whoman (R 15/761/54515)
Matching Mole: O Caroline (15/76+34545)
Britney Spears: Everytime (R 156342~)
Eric Clapton: Tears in heaven (I, S 15/761/54/61/555)
Flowerpotmen: Let’s go to San Francisko (R 15/761/54511)
L’Arc-en-Ciel: Dive to blue (R 15634145)
Jean (spanischer R’nB-Sänger): Ves (S 15/761/541/3Y4/5)

Wer in Gehörbildung nicht hervorragend ist, wird oberflächlich hörend es sehr schwer haben, die Unterschiede herauszuhören oder die Songbeispiele als ähnlich und pachelbelmäßig zu erkennen.

[1] Amon, Reinhard: Lexikon der Harmonielehre. Doblinger/Metzler, Wien/München 2005, S.238