Poxymedon

Trompete / Sopranposaune / Musikwissenschaft

Telefonieren

1.1.2013
O2 ist frei, bist du dabei?
Das wäre mir nicht einerlei.
Doch ist dir das einfach zu spät,
dann funk mir, wann es besser geht.
Das Paartanzen hat Spaß gemacht.
Ansonsten, Liebste, gute Nacht.

[Die Telefongesellschaft O2 lässt ihren Namen englisch aussprechen, was hier reimtechnisch natürlich Unfug ist und deutsch ausgesprochen werden muss. Die Freundin hatte mir extra für uns beide eine eigene SIMM-Karte dieser Marke angeschafft.]

9.3.2013
Liebste Freundin, ich bin wach
und sage dir, was ich heut‘ mach.
Vorher bitte ich dich sehr:
wein‘ nicht wegen Sorgen mehr.
Deine Heilung ist, was zählt –
nicht was dich an Sorgen quält!
Ich werd‘ an deiner Seite geh’n
und es gemeinsam mit durchsteh’n,
auch an deinem Bette kauern
und mit dir das überdauern,
wenn ich dich nach der OP
endlich mal im Spital seh.

Heute steht auf meinem Plan:
Einkauf, Sport & musizian 😉
Den Resttag werd‘ ich daheim bleiben,
Bücher lesen, Noten schreiben.
Ist  SMS nicht mehr genuch, [sic!]
so greif zu meinem Schnuffeltuch!
Zur Nacht ruf ich dann gerne an.
Ich liebe dich! Dein toller Mann.

[Wir sind nicht verheiratet, sie nennt mich aber immer „toller Mann“, weil ich ihr immer sage „tolle Frau“.]

14.6.2013
SMS als Weckrufzeichen
[Titel nachträglich hinzugefügt]
Bin längst wach,
mach dir krach,
stöhn nicht, lach!
Nutz den Tach.
Lieben Gruß
vom Musikuss!

23.10.2013
Liebste Freundin, hier dein Typ!
Ruf mich an, ich hab geübt.

1.2.2014 (23:52 Uhr)
Willst du deine Stimmung heben
und in Liebes-Sphären schweben,
nicht mehr vor der Glotze kleben?
Meine tolle Freundin, dann:
rufe deinen Liebsten an,
der heute nur auf Arbeit sann!

16.12.2013
Liebste, ruf doch grad mal an,
denn gleich, wenn ich im Keller bin,
hör ich das nicht und geh nicht ran.
Ich spiel Posaune vor mich hin.

23.5.2014
Liebste mein, ich sitze hier
und spräche jetzt gerne mit dir,
weil ich gleich in den Keller geh
und dort Posaune spielen will,
dich tagelang nicht fühl und seh.

Dort ist’s auch kühl. Mangels Empfang
verbleibt mein Handy oben still.
So mach ich auf mich aufmerksam
und wünsche, ruf mich bitte an.

30.5.2014
Magst du noch ne Plauderei?
Ein Anruf dann die Lösung sei.

 2.2.2014 (12:16 Uhr)
Ausgeschlafen habe ich
und war im Bad schon auf dem Klo.
Vor’m Frühstück gleich denk ich an dich,
hör Klassiksender-Radio
und mache dich mit dieser Botschaft
sicherlich auch jetzt schon froh,
bevor ich in den Keller geh,
dann dort posaune und trompete,
dich 6 Tage lang nicht seh
und sehr viel tu für wenig Knete.

Komm ich später dann empor,
nehm ich mir unsren Anruf vor.
Im Keller ist ja kein Empfang.
Ich übe „nur“ 2 Stunden lang.

2.2.2014 (15:16 Uhr)
Zurück bin ich nun aus dem Keller,
stoppte mein Trompeteblasen,
dachte an dich immer schneller,
freu mich auf Telefonphrasen.

Liegen lass ich die Posaune,
du weißt, wie ich spielen kann.
Ich bin grad richtig guter Laune!
Zöger nicht und ruf mich an.

2.7.2014
Ruf mich an, am besten jetzt,
bevor ich mich in’n Keller setz.

15.2.2014
Liebste, jetzt bin ich zurück.
Ruf mich an und bring uns Glück.

2.7.2014
Bin dem Keller nun entwichen.
Bist du schon ins Bett geschlichen?
Ich wollt wenigstens noch fragen.
Das Gespräch lässt sich vertagen.

5.9.2014
Deine Nachricht kommt von gestern
heute wieder pünktlich an.
Na, da gibt’s doch nichts zu lästern,
weil sie mich erfreuen kann,
kaum tausch ich die O2-Karte?

War also kein Grund zur Panik
gestern noch mit blau.de.
Ich vergaß sie (dumm und tranig)
auszuwechseln, ach herrjeh.
Bin ganz lieb und nicht der harte.

10.9.2014
Liebste Freundin, Guten Morgen!
Gestern so um Mitternacht
sagte ich dir nicht „Gute Nacht“.
Ich hoffe, das hatte dich nicht –
als wäre das unsere Pflicht –
in schlechter Weise aufgebracht
und du machst dir jetzt wieder Sorgen.
Magst du mir JETZT kurz Zeit borgen?
[JETZT kurz Zeit borgen = bitte ruf mich an]

 10.7.2015
Jetzt mach ich es wie letztens schon
und schalte aus mein Telefon.
Ich sage dir extra bescheid,
dann gibt es deshalb auch kein Leid.
Das Notfalltelefon ist an,
ich hoff, es klingelt nirgendwann.
nun feier schön, mach Partytime.
Wir sind morgen endlich zu zwei’n!

5.7.2014
Du, ich brauch Inspiration
bei dem, was ich gerade mache.
Bitte greif zum Telefon,
rufe mich an und dann diktier
„Die unmögliche Tatsache“
zum Abtippen. Ich danke dir.

[Dass dieses Gedicht dem Formverlauf der Terzine folgt (ABACBC) ist Zufall. „Die unmögliche Tatsache“ ist ein Schwank oder Galgenlied des Dichters Christian Morgenstern, sehr lesenswert!]

 17.2.2014
Heute kommt kein Anruf mehr,
bin erledigt, Kopf wiegt schwer.

Ich habe mich, anstatt zu tanzen,
stundenlang im großen ganzen
fast nur mit Jasmin verplaudert
über manche Grundsatzfragen,
wo sie durch viel Skepsis zaudert,
einfach spontan JA zu sagen.

Tanzen wurde dann fast nix und
jetzt will ich ins Bett, ganz fix.
Schlaf du auch schön, gute Nacht.
Voll nett, dass du an mich gedacht!

13.9.2014
[SM, SMS oder essen?]

Du stehst nicht auf SM beim Essen –
weiß ich auch, hab’s nicht vergessen,
bin darauf echt nicht versessen.
Es spricht aber echt nicht viel
gegen mein neuestes Wortspiel
um dich grad jetzt nicht zu vergessen.
Ich erfinde: SMSen.

9.11.2017
Sei jetzt bitte nicht erschreckt,
denn irgendwas ist grad defekt.
Sind Akku oder Konto leer?
Ich bin nicht schuld an dem Malheur.
Ich rührte das Gerät nicht an,
es lag auf meinem Bauch, und dann
brach einfach das Gespräch ganz weg.
Denk bitte nicht, dass ich dich neck!
Ich hatte plötzlich nichts mehr g’hört
und glaub, der Empfang ist gestört.
Was immer das Problem ausmacht,
ich wünsch dir eine gute Nacht.

27.11.2017
Können wir uns ganz kurz sprechen,
ohne was zu unterbrechen?
Wegen morgen, ich gestehe,
bin ich doch nicht vorbereitet,
wenn ich dich & Ilse sehe.
Nicht, dass uns der Gesprächsstoff –
das macht mich schon etwas betrof-
fen – gänzlich in Abwege gleitet?

Kommt sie auch um 14:00 Uhr
genau, oder was später nur?
Um 17:00 muss ich verschwinden,
hin nach Leverkusen fahren
mich im Salsakurs einfinden,
will uns Zeitschinden ersparen.